Autor Thema: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute  (Gelesen 251 mal)

alabastero

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Unser nächster Spieltisch wird als Thema eine Plantage in North Carolina darstellen. Bei einer großen Plantage dürfen natürlich nicht die klassischen Baumwollfelder fehlen. Diese sind zusätzlich noch perfekt für andere Themen geeignet – z.B. amerikanischer Bürgerkrieg oder auch Wild West Szenarien.

Als normaler Mitteleuropäer hat man im Grund wenig Ahnung davon, wie Baumwolle eigentlich aussieht. Nach einiger Recherche im Netz standen die Grundeigenschaften von erntereifer Baumwolle fest:
  • Eher niedriges Strauchwerk
  • Eigentlich kaum sichtbare Blätter
  • Hauptsächlich sichtbar: weiße Baumwollkugeln
  • In Reihen angebaut
Da ich eine Menge Baumwolle produzieren wollte, musste eine Methode gefunden werden, die Dinger in Massen und einigermaßen schnell herzustellen. Als erstes versuchte ich das Strauchwerk mit den abgeknipsten Teilen von Baumrohlingen darzustellen. Diese klebte ich mit einer Heißklebepistole auf Mundspatel – davon hatte ich zuvor 100 Stück im Netz erworben. Als Baumwolle selbst diente handelsübliche Watte, die ich zu kleinen Bällen zusammen rollte. Hier das Ergebnis:



Das sah dann doch sehr mager aus und entsprach nicht meiner Vorstellung eines üppig weiß blühenden Baumwollfelds. Also zog ich los und nutzte die vorösterlichen Angebote an Kunstblumen, die allerorten zu finden waren. Eine Blume fand ich im Laden passend, da sie über viele kleine weiße runde Blütenstände verfügte. Also flugs abgeschnitten und aufgeklebt:




Auch damit war ich nicht zufrieden, erstens waren die Baumwollblüten viel zu groß (fast so groß wie der Kopf einer Mini) außerdem fehlte mir auch hier die enge, kleinteilige Verzweigung des Strauchwerks.

Schließlich war mir klar, dass diese Aufgabe komplexer war als gedacht und ich mit handelsüblichen Mitteln nicht weiterkam. Ich benötigte ein kleinteiliges Strauchwerk, das flexibel und gleichzeitig stabil genug war, um auf der Base nicht umzuknicken und die Baumwollblüten zu halten. Kurzzeitig dachte ich an das gute alte Islandmoos, das sich allerdings als zu kompakt und feinmaschig erwies. Schließlich fiel mir eine Kiste mit alten Bäumen in die Hand, die aus getrocknetem Meerschaum gefertigt waren. Ich hatte sie mal vor Ewigkeiten bei ebay bestellt und sie waren für den Tabletopeinsatz eindeutig zu filigran, da sie sehr leicht knickten.



Flugs im Netz recherchiert, wie man die Dinger flexibler und stabiler machen könnte. Es wurde empfohlen, die Dinger in Glycerin einzulegen (quasi Fett). Tatsächlich konnte man das Zeug auf Nachfrage günstig in der Apotheke erwerben. Ich goss die komplette Flasche in einen Plastikbehälter und fing an, die Bäume darin min. 12h einzulegen. Tatsächlich waren sie danach viel flexibler und für meine Einsatzzwecke als geeignet empfunden. Zudem löste sich durch das Glycol-Bad das aufgeklebte Flock so dass ich tatsächlich das Strauchwerk an sich hatte.



Dieses klebte ich nach dem Trocknen auf einen Mundspatel und ich machte mir Gedanken darüber, wie ich die Baumwolle selbst darstellen konnte. Da ich kurz zuvor mit einer Styroporverpackung rumgespielt hatte, erinnerte ich mich an die kleinen weißen Kügelchen, die mir dafür ideal erschienen. Also kurz an einem Styroporblock rumgepfrimelt und ich hatte eine nette Anzahl an kleinen weißen Bällchen. Mit Holzleim befestigte ich diese an den Ästen und konnte nach einer Stunde des Leimtrocknens das Ergebnis bewundern:



Ich war doch einigermaßen zufrieden damit. Das Buschwerk war filigran genug, die Baumwolle sah auch echt aus. Das Gesamtkonstrukt war zudem relativ flexibel, man konnte von oben auf die Büsche drücken, ohne dass etwas abbrach. Es war also Zeit zur Massenproduktion überzugehen:





Als es an das Aufkleben der Baumwolle ging, stellte ich fest, dass die Baumwollbüschel immer noch zu groß waren. Es mussten kleinere Kügelchen her. Lustigerweise hatte ich nur ein paar Tage vorher das alte Stillkissen meiner Frau weggeworfen, weil es undicht war und im Schlafzimmer kleinste Styroporkügelchen verteilte. Diese wären ideal gewesen, aber ich hatte das Kissen leider schon entsorgt und die kleine Kügelchen weggesaugt. Eine kurze Recherche im Netz zeigte aber, dass man die Kügelchen auch direkt kaufen konnte, 100g kosteten circa 1€. Als der Brief mit den Kügelchen eintraf, lag ein dicker Warnhinweis dabei, man solle ja vorsichtig mit den kleinen Kügelchen sein. Alleine durch die elektrostatische Aufladung würden diese an allem Kleben, sobald sie einmal aus ihrer Packung befreit wurden. Leider zeigte sich auch, dass die Kügelchen schon sehr klein waren, so dass ich doch noch größere Kügelchen benötigte.



Tags darauf wurde ich beim Autositz meiner mittleren Tochter fündig. Bislang war mir noch nicht bewusst, dass Styroporverpackungen durchaus unterschiedlich große Kügelchen aufweisen konnten. Da an dem Sitz eh schon ein kleiner Teil abgebrochen war, würde eine kleines Stück nicht fehlen und die Sicherheit des Sitzes beeinträchtigen. Daraus ließen sich herrliche Kügelchen lösen, zudem kam noch eine größere Menge an den gekauften Kügelchen hinzu, so dass ich eine schöne Mischung aus unterschiedlich großen Styroporkügelchen hatte. Die Massenbeflockung konnte also beginnen:



Die Größe war auch soweit in Ordnung, vielleicht ein bisschen groß, aber insgesamt noch im Rahmen.



Schnell wuchs die Anzahl der Felder:





Mensch was war ich stolz, ich kleiner Baumwollbaron! Baumwolle bis zum Horizont! Bei der Stellprobe auf dem Tisch kam jedoch bald die Ernüchterung: all die Baumwollspatel ergaben gerade mal zwei kleine bis mittelgroße Felder:





Bei einem Dead Mans Hand Spiel kamen sie schließlich zum Einsatz und fügten sich eigentlich ganz gut in das Setting ein. Insgesamt war ich zufrieden, aber die Menge musste doch noch mal erhöht werden. Dies ist bis heute noch nicht geschehen, da andere Projekte mich davon abhielten. Vielleicht werde ich meine Plantage doch diversifizierter gestalten, wer will denn schon von einer Monokultur abhängig sein?

Jumara

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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #1 am: 22. Juni 2017, 16:24:00 »
Sehr Anschaulich und Informative ! UND sieht super aus.
Leider eignet sich sowas nicht so recht für Sci-fi im Urbanen Sectoren (Infinity), aber danke für den langen Beitrag.
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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #2 am: 22. Juni 2017, 16:27:25 »
Schick aber der transport könnte alles zumichte machen

Cheers

Hawk02

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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #3 am: 22. Juni 2017, 17:12:53 »
Huhu,
Die Schaumbäume von Noch hatte ich auch schon auf Gelände probiert. Leider brechen die viel zu schnell und ich bin davon abgegangen.
Das Gelände sieht aber toll aus.
MfG Frank.
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grimwork

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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #4 am: 22. Juni 2017, 21:29:32 »
Sehr schön! Ich durfte ja schon zweimal damit spielen ;)
Aber ich wusste gar nicht, was für eine bewegende Geschichte dahinter steckt...

In DMH dienen sie zwar nur als Deko, aber das Spielfeld haben sie auf jeden Fall bereichert. Im zweiten Spiel haben wir Platz zwischen den Reihen gelassen, dann wirken die Felder auch größer. Ich erinnere mich noch gern an den Baumwollpflücker und seine Familie, die durch die Felder flitzten, als die Schießerei losging!

alabastero

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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #5 am: 26. Juni 2017, 10:12:49 »
Ja, ich arbeite gerade noch an einer Vergrößerung durch Streckung. Wahrscheinlich werden die einzelnen Reihen noch auf eine große Base gestellt. Wegen dem Transport mache ich mir keine großen Sorgen, die Bases werden in eine flache Box gestellt und können dann transportiert werden. Ich halte euch auf dem Laufenden.

alabastero

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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #6 am: 10. Oktober 2017, 12:34:16 »
Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich in der Zwischenzeit noch die Feldumrandungen gebaut habe ohne sie hier zu posten. Daher hier nun das Ergebnis.

Die Basen für die Felder

Zwischenzeitlich hatte ich mich mit der Herstellung von Basen beschäftigt, um all die kleinen Baumwollhügel nicht jedes mal einzeln aufs Spielfeld zu stellen. Daher bastelte ich aus einem festen Leinenstoff sowie dem üblichen Acryl-, Sand-, Farbegemisch mehrere Bases für die Baumwolle. Noch während das Acrylgemisch feucht war drückte ich eine Menge an Dekosteinchen (gibt es z.B. im gut sortierten Weihnachtsdekoladen :)) als Randbegrenzung auf die Fläche.



Dann ließ ich alles 48 Stunden trocknen, um sicher zu gehen, dass das Acryl durch getrocknet war. Schließlich bestrich ich die Steinchen noch mal großzügig mit einem Wasser-Bastelleim-Gemisch um es noch fester zu verkleben.



Anschließend wurde der Sandbereich trocken gebürstet, die Steinchen auch noch mal mit Highlights versehen und an einigen Stellen statisches Gras und kleines Buschwerk aufgeklebt. Das Ergebnis könnt ihr hier unten sehen:

BISAM

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Re: Mein Leben als Baumwollbaron - wie ich einmal Baumwolle anbaute
« Antwort #7 am: 27. Oktober 2017, 21:42:52 »
Starke Arbeit ! Sehr sehr Stimmig!